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( Artikel von Renzo Carosio )
Die Geschichte des Cane Corso hängt eng zusammen mit der Geschichte der italienischen Völker, sowohl mit deren Pracht, als auch mit deren Elend. Unglücklicherweise liefert uns diese Rasse, welche in den letzten Jahren vor einem scheinbar unabwendbaren und tödlichen Untergang gerettet wurde, einen nur vagen jedoch noch bedeutsamen historischen und ikonographischen Hintergrund, auf Grundlage dessen einige Enthusiasten versucht haben, den Ursprung dieser Rasse zu rekonstruieren.
Die Etymologie des Namens "Corso" ist noch unbestimmt. Die glaubhaftesten Hypothesen sind jene, welche einen griechischen Ursprung aufzeigen: KORTOS= Mauer und aus dem Lateinischen: COHORS= Hüter des Hofes. Bis vor kurzem bestand die älteste Dokumentation, die den Namen des Cane Corso angab aus einigen wenigen Gedichten und einigen Prosatexten aus dem Jahr 1500. 1998 veröffentlichte die A.I.C.C. oder Associazione Italiana Cane Corso eine Studie über die Rasse, die den militärischen Einsatz des Cane Corso 1137 in Montopoli di Sabina (bei Rom), die Funde von Hundezwingern aus dieser Periode und die enge Verbindung zwischen der Rasse und der römischen Geschichte ans Licht brachte.
All dies ermöglicht es uns, den Cane Corso als prinzipiellen Beweis für eine Urrasse zu erachten, welche über Jahrhunderte hinweg bestimmte Merkmale behielt, welche uns in andere Zeiten zurückversetzt, nicht nur in die Periode verbunden mit landwirtschaftlicher Ökonomie unmittelbar vor der industriellen Revolution, sondern sogar weiter zurück, Hundezüchter mit den großen Zivilisationen der Vergangenheit verbindend; dem Aufstieg und Untergang des Römischen Reiches, dem Mittelalter und der Moderne. Der Cane Corso blieb, durch natürliche Selektion über Jahrhunderte hinweg, als engstmöglicher Kontakt mit der Umwelt erhalten und mit der Bedeutung, die ihm als kostbaren Gefährten vom Menschen zugeschrieben wurde. Hierbei sprechen wir über harte Zeiten, in denen der Erfolg und das Überleben einer Rasse ausschließlich von deren Fähigkeit zur Arbeit abhing, darum war die Auswahl zur Aufzucht und Haltung eines Hundes eine rein ökonomische Frage. Es galt, eine Verantwortung zu übernehmen, die in Einklang stand mit dem Erwerb eines Gutes oder einer Dienstleistung, nichts überflüssiges war erlaubt. Der Cane Corso, den wir heute bewundern können, ist der beste Beweis für die Theorie welche besagt, daß, wenn eine Rasse bestimmte morphologische- und Verhaltensmerkmale besitzt, die mit der Arbeit verbunden sind, welche sie zu erledigen hat, dann diese Rasse harmonische Form und einen ausgeglichenen Charakter aufweist. Die Vergangenheit des Cane Corso ist nicht nur zum Großteil gegenwärtig und lebendig, sondern außerordentlich aktuell, als ob die Zeit wie im Flug vergangen wäre. Der Corso hat von seinen Vorfahren, den Molossi von Epori und den Kampflustigen von Rom, welche in Kriegen und für Schaukämpfe verwendet wurden, die aggressive und kämpferische Natur verloren, die notwendig war, um sein Ziel ohne Zögern und mit überraschendem Kraftpotential erfolgreich zu erreichen. Durch den Kontakt mit dem Menschen wurde er zum herausragenden Interpreten menschlicher Gesten. Mit diesen Wesensmerkmalen hat der Cane Corso bis heute in kleinen Ansiedlungen im Süden Italiens überlebt, in denen ein archaisches landwirtschaftliches System beibehalten wurde und wo ein vielseitig einsetzbarer Hund ein wichtiger Gefährte ist.
Die Modernisierung der Landwirtschaft und des Aufzuchtsystems, insbesondere das Verschwinden von halbwilden Nutztieren, die Verminderung des Wildbestandes und der Benutzung von Feuerwaffen und den daraus folgenden unterschiedlichen Jagdtechniken haben die traditionelle Verwendung des Cane Corso reduziert. Aus eben diesem Grund hat die Verbreitung des Corso seit dem II.Weltkrieg eine drastische Reduzierung erfahren. Die Situation zu Beginn der 1970ger Jahre war besorgniserregend für das pure Überleben der Rasse, welche dann auf eine bescheidene Anzahl von Exemplaren sank und in offiziellen Hundezüchterkreisen nicht länger Beachtung fand, abgesehen von Anstrengungen Einzelner wie dem Grafen Bonatti und Professor Ballotta. 1976 geschah es, daß ein enthusiastischer Hundeliebhaber und Erforscher der ländlichen Traditionen Italiens, Dr. Breber, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und offizieller Hundezüchterkreise durch einen Artikel in einer Ausgabe des Magazins der ENCI (Italienischer Hundezzüchterklub) auf den Cane Corso lenkte. Er fügte diesem Schritt einen weiteren hinzu, indem er eine Rettungsaktion startete, die von einer Gruppe von Enthusiasten ausgeführt wurde, welche in der Zwischenzeit Dr.Breber kontaktiert hatten. Im Oktober 1983 gründeten diese Enthusiasten die S.A.C.C. (Societa Amatori Cane Corso). Die gemeinsame Absicht, die Rasse zu erhalten, war Grundlage für die Gründung der S.A.C.C., die ihren ersten Schock 1986 erlitt, als Dr. Berber die Gesellschaft verließ. Dieser Fakt hatte zu dieser Zeit wenig Resonanz, da die Gruppe nicht sehr bekannt war und am Rand der Hundezüchter-Öffentlichkeit stand. Dies war ein bestimmender Faktor für die zukünftige Richtung der Rasse, genauso wie der Beitrag eines Mannes, der unter den Ersten war, zu dem erneuten Interesse an der Rasse beizutragen und der die Hunde für den ersten Wurf zur Verfügung stellte: Basir, das maßgebende Modell für die Rasse, war der Sohn von Dauno und Tipsi, zwei von Dr. Berber ausgewählten Hunden. Nachdem Dr. Berber gegangen war, zentrierte sich die S.A.C.C. um die Zwinger in Mantova, betreut durch Giancarlo Malavasi und Stätte für das gesamte Aufzuchtprogramm der Rasse. Organisiert wurde die S.A.C.C. von Stefano Gandolfi, Gianantonio Sereni und Ferdinando Casolino. Das Bedürfnis, das Aufzuchtprogramm um jeden Preis voranzutreiben, wurde zur Rechtfertigung für das zentralisierte Management der Gesellschaft, das nicht sehr demokratisch und oft Objekt nicht sehr positiver Gerüchte war. Aus diesen Gründen ragen zwei Vizepräsidenten verschiedener Perioden der S.A.C.C. heraus, Mr. Oresta Savoia und Dr. Falvio Bruno. Diesen Zeitabschnitten war anzumerken, daß die Aktivitäten der S.A.C.C. zur Anerkennung des Cane Corso mit Energie und zufriedenstellenden Ergebnissen durchgeführt wurden. Leider kann dasselbe nicht von dem Standpunkt der Hundezüchter aus gesagt werden, da die Qualität des Basir- Wurfes 1980 nie wiederholt werden konnte, und die hervorgebrachten Ergebnisse schienen und scheinen heute noch entfernt vom gewünschten Modell und zeigen beträchtliche Abweichungen. In dieser Zeit organisierte die S.A.C.C. erfolgreich Hundezüchtertreffen mit dem Ziel, die Rasse bekannt zu machen und den Vertretern der ENCI zu erlauben, Tests und Messungen durchführen zu lassen.
Aus dieser Aktivität ging ein offizielles Richtliniendokument hervor, verfaßt von Dr. Antonio Morsiani und 1987 bestätigt vom Anwältekommittee der ENCI. In selbigem Dokument kam es aus Gründen der Anerkennung, wahrscheinlich aufgrund der notwendigen und so gut wie möglichen Differenzierung des Cane Corso von dem anderen italienischen Molosso, wie dem Neapolitanischen Mastiff, zu mehreren Unstimmigkeiten, die zu einiger Diskussion Anlaß gaben. Die wichtigste betraf den Verschluß der Zähne, bei dem die Norm eine leichte Prognathie verlangt. Jedoch wird der Zangenbiß toleriert, obwohl er ebenfalls sehr typisch für den Corso ist. Dies ist nicht nur aus den vielen, von enthusiastischen Züchtern (einschließlich Breber) vertretenen Positionen ersichtlich, sondern auch aus den offiziellen Berichten der ersten Konvention, der Convegno Nazionale di Civitella Affadena vom 16.Juni 1990. 1992 wurde von den Anwälten ein inoffizielles Buch, das Libro Apperto (Offenes Buch) bestätigt, um gelungene Würfe von Eltern aufzulisten, die somit für Führer von Erblinien gehalten wurden. Die in diesem Buch enthaltenen Daten wurden in offizielle Bücher übertragen, nachdem die Rasse am 20.Januar 1994 öffentlich anerkannt wurde. Der Enthusiasmus für diese Rasse, die Kuriosität und das Wissen darum, daß eine größere Anzahl von Hunden und ein größeres Interesse an der Rasse deren Anerkennung zum Antrieb verhelfen würde, führte zu einer unkontrollierten Steigerung der Produktion von Würfen mit einer konsequenten Verminderung der durchschnittlichen Qualität der Nachfahren. In dieser Phase versäumte die S.A.C.C. nicht nur, dieses Phänomen zu verhindern, sondern ergriff selbst jede Möglichkeit, um die Rasse und sich selbst als deren Retter zu deklarieren. Unter diesem Druck erhöhte sich die Anzahl Corsi sprunghaft von einigen zehn Tieren zu Beginn auf eine gegenwärtige jährliche Registrierung von 2500. Der Erfolg der Rasse wurde nach der fehlenden Verbesserung der Qualität der hervorgebrachten Tiere gemessen an der Steigerung der Anzahl.
Diese Wahl, die den zoologischen Aspekt vernachlässigte, zahlte sich in Hinsicht auf die politische Ratifizierung aus. Am 22.Mai 1996 wurde in Arese der beste Cane Corso gesucht. Ch. Boris wurde als Modell für die Präsentation der Rassenmerkmale in den höheren Ebenen der F.C.I. benutzt. Einige Monate später, im November1996, wurde der Cane Corso auf internationaler Ebene anerkannt.
Das schien vorerst ein positives Resultat, führte jedoch zu einer weiteren Verschlechterung des Systems, da viele Enthusiasten außerhalb Italiens, inspiriert von der Neuheit der Situation, den Corso kauften, ohne ausreichende Sorgfalt auf die Haltung zu verwenden. Oft basierte ihre Wahl auf unzureichenden Informationen, leichter Erhältlichkeit, Farbe oder dem Preis der Welpen. In den letzten Jahren wurde das Fehlen von seriösem Informationsangebot und dem Management der Rasse auf internationaler Ebene aufgedeckt. In der allgemeinen Verwirrung standen jene, welche versucht hatten, die Cane Corso Enthusiasten in deren eigenen Ländern zu organisieren vor Schwierigkeiten, nicht in Kontakt mit der S.A.C.C. treten zu können, die ihre offensichtlichen Unzulänglichkeiten oft hinter einem Anstrich von Arroganz versteckte.
Im Juli 1999, nach Jahren des oberflächlichen Managements und fortlaufenden Einspruchs gegen die Führungskräfte, wurde der S.A.C.C. durch die ENCO die Bestätigung als offiziellem Klub der Cane Corso Rasse entzogen. In einem Versuch, der Situation vorzubeugen, gründeten einige Enthusiasten die A.I.C.C.
Schließt das zweite Jahrtausend unter dem Verdacht der unsicheren Existenzgrundlage für den Cane Corso, eröffnet das dritte Jahrtausend große Hoffnung; die Präsidenten verschiedener nationaler Vereinigungen, Mr.Renzo Carosio der italienischen A.I.C.C., Mr. Michael Ertaskiran der amerikanischen I.C.C.F und Mr. Eric de Vries der holländischen C.C.C.N., haben sich zur Zusammenarbeit entschieden, welche auf internationale Koordination der Rasse abzielt und auf dem Engagement seriöser Hundezüchter basiert.
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