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Suche nach der Herkunft des Cane Corso

( Artikel von Renzo Carosio )


Dank der freundlichen Einladung meines Freundes Luciano Trombini habe ich einige Arbeiten über Hunde geprüft, die sich in Verbindung mit einer komplexen und vollständigen Forschung zur Herkunft und der Geschichte Montopoli di Sabinas (einer Stadt bei Rieti, Italien) ergaben. Ich bin nun stolz, den Lesern des Cani Da Presa Magazins einen Teil dieser Arbeit zu präsentieren

Die Montopolesi (die Einwohner Montopolis), die die Unterkünfte des Cane Corso über Jahrhunderte hinweg erhielten und uns bei unserer Forschung zur Seite standen,waren genau so wichtig wie Don Carmelo Cristiano, der Gemeindepfarrer, der, wie alle ländlichen Gemeindepfarrer, in engem Kontakt mit den Einwohnern stand, ist der Verfasser einer wertvollen historischen Abhandlung über die Territorien von Montopoli di Sabina und Boccignano- historische Neuheiten.
Luciano Trombini, Stadtratsmitglied, ein begeisterter Hundenarr, der die Wichtigkeit einiger schriftlicher Dokumente herausstrich, weitere Untersuchungen anstieß und versuchte, die A.I.C.C. (die italienische Vereinigung für den Cane Corso) zu involvieren. Die italienische Vereinigung für den Cane Corso, welche eine wichtige Rolle spielte bei Hinweisen, Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen.

Am Anfang steht die Suche nach diesem kuriosen Rufnamen, der heutigen Bezeichnung.
Die Einwohner Montopoli di Sabinas, allgemein bekannt als Montopolesi, haben einen Rufnamen, "Corsari" (was Korsaren, Piraten bedeutet), der weit in die Zeit zurückversetzt. Sie disputierten lange über die Herkunft dieses Spitznamens, der an die Zeit der Piraten, Piraterie und Seeschlachten erinnert.
Die Erklärung ist historisch nicht korrekt, da die erste Aktion von Piraterie auf das 16.Jahrhundert zurückgeht und weit draußen auf See stattfand, wo schnelle englische und französische Schiffe spanische Galeonen jagten die, mit Gold beladen, auf dem Weg nach Hause waren. Außerdem muß man in Betracht ziehen, daß Montopoli einige Kilometer vom Meer entfernt liegt, und seine Einwohner traditionell mit der Landwirtschaft verbunden sind.
Unsere Forscher erkannten die Bedeutung, diesem Spitznamen eine Geburtsstunde zuzuschreiben, um ihre Studien auf das bestehende historische Versehen zu konzentrieren. Des weiteren war es notwendig, in der selben Region die Existenz von Städten zu belegen, deren Einwohner Rufnamen hatten und sich nicht ihrer eigentlichen Namen besinnten.
Man fand heraus, daß die Einwohner Casperias den Rufnamen Aspresi mit mittelalterlichem Ursprung haben. Außerdem wurde diese Stadt aufgrund der schweren Zugänglichkeit einst Aspra (hard, rauh) genannt. Die Einwohner Cantalupos wurden Cambocciari gerufen, da zwei antike römische Statuen den Eingang der Stadt schmückten.
Daraus ergibt sich die Schlußfolgerung, die Rufnamen entspringen dem Mittelalter, und daß damit an Charakteristiken des Territoriums erinnert wird. Gefunden wurden weiterhin schriftliche Beweisstücke in Form eines altertümlichen Manuskripts eines unbekannten Autors von Montopoli. Diese Arbeit ist immer noch im Alibrandi Archiv in Montopoli erhalten. Es behandelt die Geschichte Montopolis von ihrem Ursprung bis zum 16.Jahrhundert. Darin ist folgendes zu lesen: die Einwohner von Mons Operis (Montopoli) sind traditionell bekanntermaßen starke Menschen, Krieger, die für ihre eigene Verteidigung und der des Landes mit Cane Corsos ausgestattet sind und Corsari (Kosaren) genannt werden. Untergebracht waren die Cane Corso in einem seltsamen Bau .

Das alte Gebiet Montopolis behielt seinen Charme einer mittelalterlichen Stadt, mit verschlungenen engen Straßen, die zum höchsten Punkt ansteigen, unterbrochen von engen aber sauberen Gassen. Vom Gipfel, von dem kleinen Platz vor dem Turm aus, hat man eine wundervolle Sicht auf das weite Farta Tal mit der majestätischen und berühmten Abtei, der Conterforts in den Appenninnen und den verschiedenen kleinen Dörfern, die zum Zweck der Verteidigung auf die Berggipfel gebaut wurden.
Wendet man seine Aufmerksamkeit ab von der Schönheit der Region und den architektonischen Details zu, kann man leicht die kleinen Türen im Erdgeschoß einiger Wohnhäuser bemerken. Hinter den Türen sind kleine Räume (46m2) zu sehen, die eine ungewöhnliche Höhe vorweisen (1,30/ 1,40m) und völlig nutzlos scheinen, da es sogar schwierig ist, darin zu stehen. Die Montopolesi erachten sie als unpassend für Kuhställe, da sie für Rinder zu niedrig sind, zu eng für Schafhürden und unpassend zur Schweinezucht.
Einige von ihnen wurden während der vergangenen Jahrhunderte ausgehoben, um eine angemessene Höhe zu haben. Das kann leicht wahrgenommen werden, wenn man die ursprüngliche Ebene des Erdgeschosses betrachtet, da die Ausgrabungen einige Steine des originalen Fundaments zu Tage förderten. Einer der Lagerräume mit ursprünglicher Höhe ist im Schulgebäude zu finden, umschlossen von einer Mauer. Diese Räume, die zur Unterbringung von Tieren dienten, welche für den Kampf mit Gladiatoren verwendet wurden, sind denen des Amphitheaters in Pompeii, dem ältesten Beispiels des römischen Amphitheaters (80 v.Chr.) ähnlich in ihren Ausmaßen und Eingängen.

Die Herkunft Montopolis und die Römer

Man muß nur einen Schritt zurückgehen in der Herkunft eines Namens, den Hintergrund ausgraben, einen Blick um sich werfen und man kommt in Italien in Berührung mit der römischen Zivilisation; dasselbe passierte uns. In der Ära des Augustinus besaß ein berühmter Gelehrter und römischer Heerführer namens Gaius Asinius Pollionis ein Landhaus in der heutigen Region Montopoli; diese Siedlung gibt der Stadt ihren ursprünglichen Namen Mons Pollionis. Daraus leitet sich Mons Operis ab und bietet eine klare Referenz auf die Emsigkeit der Bewohner, Mons Opulens steht für die Fruchtbarkeit des Bodens und bald danach entstand Montis Opulis.

Wir können leicht bestätigen, daß die alten Römer in diesem Territorium präsent waren und dessen weitere Entwicklung beeinflußten. Nach zweitausend Jahren können wir heute Spuren alter römischer Landaufteilung in dieser Region entdecken (centurazioni und jugeri) In einigen Fällen bestanden die Einteilungen aus 50 "jugeri" (der "jugeri" war eine bestimmte Größe an Land, welchem ein Sklave mit zwei Ochsen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verpflichtet war, etwa ein Viertel Hektar).
Der Ursprung Montopolis bestätigt des weiteren, daß der Cane Corso ein direkter Nachfahre der Hunde ist, die die Römer zu Kriegszwecken oder in Zirkusveranstaltungen benutzten: die Molossischen Hunde und die Pugnaces Britanniae.

Die Zerstörung des Schlosses von Triburco (1138),war ein bedeutsames Ereignis dieser Zeit.
Wir können nicht über die Geschichte des Schlosses von Triburco berichten, ohne die Abtei von Farfa zu erwähnen, da die mit dem Schloß in Zusammenhang stehenden Ereignisse eng mit der Geschichte der Abtei zusammenfallen.
Die Abtei von Farfa wurde Mitte des 6.Jahrhunderts dank S.Lorenzo Siro auf den Ruinen eines römischen Landhauses aus dem 2./1.Jahrhundert v.Chr. erbaut, welches von den Langobarden zerstört wurde. Es wurde verlassen und später von S.Tommaso da Moriana nach seiner Rückreise von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land wieder aufgebaut. Mit Hilfe Faroaldo II., Graf von Spoleto und nach der Sarazene Herrschaft (898- 915) begann es seinen Aufstieg. Farfa nahm sich reformerischer Einflüsse des Cluny an und blühte wieder auf, unterstützt von wichtigen imperialen Privilegien. Farfa war zu dieser Zeit ein Staat mit einer florierenden Wirtschaftspolitik und besaß selbst ein eigenes Heer, um gegen Schildknappen und lokale Vasallen um die Besitztümer von Triburco und Boccignano zu kämpfen. Während des Kampfes um Investituren wurde Farfa unabhängiger von Rom und dem Papst und unterstützte den Herrscher Henry IV. Nach Abschluß des Wormser Vertrages (1122) erlangte es die Protektion des Papstes. Das Schloß von Triburco versuchte stets, den feudalen Landbesitz von Farfa zu verhindern, und das führte zu seiner totalen Zerstörung. Im Monat Oktober des Jahres 1137 rebellierte das Schloß von Triburco gegen die Autorität eines mächtigen Abts, Adinolfo I, und vertrieb die Angehörigen des Klosters von Farfa. Ein Mönch wurde besonders schrecklich verstümmelt (er wurde geblendet, und seine Zunge und Ohren wurden abgeschnitten). Dieses Ereignis verursachte tiefe Entrüstung und gewaltsame Reaktionen der Farensi. Die folgende Geschichte ist einem Dokument von 1862 entnommen mit dem Titel: Über die Salso- Marziale Wasser in Farfa di Sabina, Memoiren des dott. Lorenzo Constantini von Poggio S. Lorenzo. Der unglückliche blinde Mönch, seiner Zunge und seiner Ohren beraubt, die auf barbarische Weise abgeschnitten wurden, wurde von diesen Kriminellen gefesselt und auf ein Pferd gesetzt, welches ihn, bluttriefend, zum Kloster führte. Man kann sich vorstellen, wie schrecklich dieser Anblick für den Abt gewesen sein muß. Diese schreckliche Geschichte eines solch grausamen und unmenschlichen Verhaltens verursachte Groll im ganzen Kloster.

Ein Aufruf, zu den Waffen zu greifen, wurde in Farfa veröffentlicht. Die ersten, die mobil machten, um die schreckliche Infamie für den Abt zu rächen, waren die Einwohner Montopolis, die traditionell als mutige Männer der Waffen bekannt waren. Alle waren mit Cane Corsos ausgestattet, zu ihrer Verteidigung und zur Verteidigung des Landes. Deshalb wurden sie Corsari (Korsaren)genannt. Die Vasallen des benachbarten Schlosses von Farfa rüsteten sich mit dem gleichen Ziel. Der Abt von Farfa, unterstützt von allen Mönchen, befahl daraufhin den Montopolitani und Farensi, zu den Waffen zu greifen, um das rebellische Schloß von Triburco anzugreifen, dessen Bewohner und Crescenzo, den Usurpator, fortzujagen und alles in Flammen zu setzen, auf daß nicht einmal die Ruinen an die Rebellion erinnern könnten. Die Angreifer sahen sich einer starken Resistenz ausgesetzt, da der Graf die Kräfte der Tribicesi (Einwohner von Triburco) durch eine große Anzahl an Nazzanesi Schiffen gestärkt hatte. Es war eine blutige Schlacht, die fast den ganzen Tag währte. Die großen Hunde verursachten während des Angriffs ein schreckliches Massaker, da die fehlende Nahrung sie aggressiver machte. Die Rebellen mußten flüchten und gaben schließlich das Schloß auf. Einen detaillierten Bericht über dieses Ereignis kann man in einem Artikel von 1922 nachlesen, welcher in einem Magazin, dem Mondo Sabino, von Roberto Donati veröffentlicht wurde. Er beschreibt die direkte Partizipation imperialer Truppen, die sich im Gefolge des Herrschers Lotarius II befanden und den Auftrag hatten, das Schloß von Triburco zu zerstören. Lotarius II. war zu jener Zeit aufgrund des internen Kirchenkonflikts zwischen Papst Innozenz III. und dem Gegenpapst Anacleto II. in Italien. Er beabsichtigte, den Rebellionen ein Ende zu bereiten, was der Abtei von Farfa großen Schaden zufügte. Die Anwesenheit von Cane Corsos in der Schlacht ist ebenfalls erwähnt. Die Montopolesi entdeckten jedoch zufällig einen Geheimweg ins Innere der Festung, durch welchen einige Cane Corsos, hungernd und seit Tagen ohne Wasser, ins Schloß gelangten. Als sie die Bewohner Triburcos erspähten, waren sie so hungrig, daß sie die Menschen anfielen und ein Massaker verursachten. Die erschöpften Verteidiger des Schlosses hatten aufgrund des Gemetzels eine solche Angst, daß sie den Kampf aufgaben und einen Fluchtweg zum Farfa Fluß suchten. Dies ist die Verkettung von Ereignissen, welche zur Zerstörung des Schlosses von Triburco (auch Tribico genannt) führten. Heute finden sich nur noch ein paar Überreste der Ruinen dieses alten Schlosses, welches nahe der heutigen Stadt Pontesfondato bei Montopoli di Sabina gelegen ist.

Montopoli und der Cane Corso - von der Vergangenheit zur Zukunft

Die Hilfe, die die Montopolesi dem Abt von Farfa über Jahrhunderte hinweg gewährten, wurden belohnt. Am 24.April 1390, überschrieb der Abt Niccolo II. in einer feierlichen Verhandlung und auf Bezahlung von 94 Zweischillingstücken den Menschen von Montopoli die Hälfte der Gebiete, die dem zerstörten Schloß von Triburco gehörten. Bald darauf, 1489, übergab der Kardinal, Gianbattista Orsini, der Empfehlungsabt* , eine erneute Spende. Diese Gaben erlaubten den Montopolesi ein Leben in Reichtum, auch den Familien in den nachfolgenden Jahrhunderten. Heute werden diese Güter zum Bestellen vermietet.

In den letzten Jahren kam die Meinung auf, die Güter zu anderen Zwecken zu vermieten, um bessere Einkommen zu erlauben, den Menschen eine Arbeitsmöglichkeit zu verschaffen sowie das internationale Ansehen Montopolis zu steigern. Ein Projekt, Montopolandia, wurde entwickelt, welches den Bau eines internationalen Vergnügungsparks vorsieht. Verschiedene italienische und ausländische Firmen haben großes Interesse daran bekundet.

Die Hauptfiguren der lokalen Geschichte, die Montopolesi mit ihren Cane Corsi, schlugen ein neues Projekt vor: ein internationales Hundetreffen, um die Rasse 1999 zu zelebrieren, als eine letzte Handlung dieser Geschichte zu Ausgang des 2. Milleniums.

 
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