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Der Cane Corso als Hütehund
Während einer Urlaubsreise nach Italien habe ich im Hundemagazin Work Dogs einen interessanten Artikel von Fabrizio Bonnano entdeckt. Er berichtet über die Arbeit mit dem Cane Corso in der Landwirtschaft und vergleicht ihn mit dem Deutschen Schäferhund im Bereich des Hundesportes.

Um ein würdiger Vertreter der Rasse Cane Corso zu sein - dieser wertvollen und alten italienischen Rasse, die durch eine essenzielle und strenge Selektion geformt wird - müssen alle Hunde über eine große Anpassungsfähigkeit verfügen.
Temperament und außergewöhnliches Wesen darf nie losgelöst von physischer Stattlichkeit sein.
Die Verteidigung, die Bewachung, die Führung und die Haltung von Herden waren immer eine vorrangige Notwendigkeit in der Landwirtschaft, und aus diesem Grund sind seit undenkbaren Zeiten verschiedenen Hunderassen gezüchtet worden, entweder als Hüte oder als Herdenhunde, vom jeweiligen Zweck abhängig.
Der Schutz des Viehs wurde immer großen Molossen anvertraut, die alle aus einem Ursprungsstamm hervorgegangen sind und dann in den einzelnen Nationen, in denen sie Objekt der Auswahl wurden, lokal vom Typ her variierten.
Es ist schwer, dem Reiz dieser großen Hunde zu wiederstehen, vor allem dann, wenn sie einen mit ihrem unbeirrbaren Ausdruck anschauen, der keine Auseinandersetzung fürchtet.
Die Entstehung der Molosser reicht viele Jahrhunderte zurück, und heute sind sie wichtige Zeugen der Zivilisationen und deren Kulturen, die in vergangenen Zeiten existiert haben. Nach Überlieferungen, wurden diese Hunde in den Kämpfen mit ihresgleichen und nicht weniger gefährlich bei den großen Jagden verwendet. Diese fast vergessenen Eigenschaften erwiesen sich auch bei der Führung des Viehs als nützlich.
Der Cane Corso kommt aus einer Vergangenheit, die bereits in verschiedenen Berichten mehrfach beschrieben worden ist und lebt in einer Gegenwart, in der er seine Rolle als Bewacher des Eigentums gefunden hat. Im Bedarfsfall weiß er auch, wie er mit einer gewissen Natürlichkeit seinen Herrn verteidigen muß.
Wir leben in einer Epoche, die uns auf jedem Gebiet eine übertriebene Spezialisierung abverlangt, und das hat teilweise auch die Selektion der Hunderassen beeinflußt. Somit ist es schwierig, sich einen Hund vorzustellen, der so ziemlich alles kann.

Wir tun gut daran uns zu erinnern, daß der Cane Corso vor langer Zeit in den Bauerngehöften des Südens eine unersetzbare Rolle bei der Bewachung und Führung des Viehs gespielt hat. Die Schweine wurden draußen frei in Herden von hundert oder zweihundert Tieren gehalten, und im Winter wurden sie zum Weiden in die Wälder getrieben, während sie von Juni bis August auf den Brachfeldern ihr Futter fanden. Das waren jene Gebiete, die zeitweilig zwischen der Ernte und der folgenden Saat unbebaut blieben. Auf diesen Gebieten ernährten sich die Schweine von übrig gebliebenen pflanzlichen Substanzen und kleinen Nagetieren.
In diesem Umfeld führte der Cane Corso außer der Bewachung der Tiere einen weiteren unverzichtbaren Dienst aus. Wenn sich die Sauen in das Walddickicht zurückzogen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen, war es äußerst gefährlich sich ihnen zu nähern. Sie wurden aggressiv um die Jungen zu verteidigen. Nur der Hund vermochte es, sie zurück zu halten. Er gab dem Bauern die Möglichkeit, vom Pferd zu steigen und die Ferkel in einen Korb zu stecken. Erst nachdem er wieder im Sattel saß, wies er den Hund an, sich zurück zu ziehen. Die Muttersau die das Weinen der Neugeborenen hörte, folgte dann Pferd und Reiter bis zum Bestimmungsort.

Der Cane Corso konnte nicht nur die Tiere bewachen, die im Bauerngehöft lebten, sondern er war immer und ist es bis heute ein ausgezeichneter Hütehund.
In einigen Gebieten Süditaliens werden die Fleischrinder ungezähmt aufgezogen. Sie weiden überall dort, wo die Natur ihnen in der günstigsten Jahreszeit Flächen bietet und wandern viel um genügend Futter zu finden. Nicht immer sind sie in der Lage, eine Tränke zu finden, an der sie ihren Durst stillen können. Das obliegt dem Cane Corso, der selbständig dafür sorgt, sie in angemessener Zeit zum Saufen zu führen.
Ein anderes dazu gehöriges Zeugnis wird uns von Orazio Govoni gegeben, dem Besitzer des Cane Corso Paares, das auf den Fotos zu sehen ist. Govoni ist Hufschmied und aus den Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt, wo er seine Kenntnisse über die Pferdeorthopädie vertieft hatte. Er suchte für seinen Hof einen Hund, der dazu geeignet war, mit großem Weidevieh umzugehen.
Dank dem Züchter Paolo Cuinus und dem Abrichter Francesco Iacobielli lernt er die Vorzüge des Cane Corso kennen und erwirbt ein Paar dieser Rasse, das zusammen mit den Tieren seines Gehöftes aufwächst.
Anfangs wurden die Hunde fast spielerisch dazu gebracht, den Rindern zu folgen, aber mit der Zeit schauten sie das Herrchen an und erwarteten ein Kommando.

Es kamen grundlegende Ahneneigenschaften zum Vorschein. Ohne besonders hart abgerichtet zu werden, haben diese Hunde schnell gelernt, die Rinder in der vom Herren gewünschten Richtung vor sich her zu treiben oder ein einzelnes Tier zu isolieren.
Govoni lenkt sie, indem er die Stimmlage verändert. Wenn sie mit leiser Stimme dazu angehalten
werden, schleichen sie sich an das ausgesuchte Rind heran, während sie bei erhobener Stimme schnell auf das Ziel zugehen und sich die Aufgaben teilen. Der Rüde hält die Tiere in der Herde zusammen, während die Hündin das gewünschte Tier separiert.
Diese Tätigkeit der Hunde ist sehr wertvoll, auch unter dem Blickwinkel der Zeitersparnis, bei der Brandmarkung der Tiere oder bei Impfungen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um Rinder der Maremenrasse von ca. 50 Zentner Gewicht und von nicht allzu zahmen Charakter. Eine Annäherung an diese Rinder birgt immer ein gewisses Risiko in sich und ist nicht ganz ungefährlich. Um die nötigen Handlungen am Tier vorzunehmen, ist es notwendig, es hinlegen zu lassen. Dafür sorgen die Corsi mit abgestimmten Handlungen. Der Rüde erfaßt das Ohr und die Hündin die Schnauze, so daß das Rind den Kopf dreht und auf den Boden gezwungen wird. Erst auf Kommando des Herrn lockern sie gleichzeitig den Griff.
Mit Hilfe der Hunde können mehrere dieser halbwilden Rinder im Laufe eines Tages geimpft oder behandelt werden.
Die auf den Fotos dargestellten Cane Corso sind Dafne und Ras zwei typische Rassevertreter und von etwa 50 kg Gewicht. Sie arbeiten gewöhnlich auch mit Schafen, Ziegen, Schweinen und Eseln. Sie können Großvieh resolut lenken als auch ein Schaf zart am Fell fassen.
Die Zahl der in der Landwirtschaft arbeitenden Cane Corso nimmt von Jahr zu Jahr zu, besonders bei den Bauern in Mittel und Süditalien ist er beliebt. Die Rasse teilt sich hauptsächlich in Arbeits und Sporthunde sowie in die Gruppe der Showhunde, die sich überwiegend in Züchterhand befindet.
Der größte Teil aller Hunde befindet sich natürlich in den Familien und ist Begleithund, Liebhaberhund, Schmusehund oder auch alles in einem.

Die Welpeneintragungen in Italien 1992 (527 Stück) zu 2001 (3510 Stück) zeigen die wachsende Beliebtheit des Cane Corso.
Sein Temperament und seine Leichtführigkeit haben ihn zu einem erfolgreichen Sporthund werden lassen. Gleichberechtigt neben dem Deutschen Schäferhund hat er seine Aufgabe auf dem Hundeplatz gefunden.
Ich beende diese Betrachtungen und möchte hinzufügen, daß ich meinem geschätzten Mitarbeiter, Alessandro Luzi, einige dieser Mitteilungen und die entsprechenden Fotos verdanke.

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